Künstliche Intelligenz und Straf­verteidigung

Rechtsanwalt Goldbeck

Erst die KI fragen, dann den Anwalt?

Eine Vorladung der Polizei, ein Brief der Staatsanwaltschaft, eine Durchsuchung am frühen Morgen: Viele Menschen tippen ihre Fragen heute zuerst in ChatGPT oder ein anderes KI-Programm. Das ist verständlich. Die Antworten kommen sofort, klingen kompetent und kosten nichts.

Als Strafverteidiger setze ich künstliche Intelligenz selbst ein, gezielt und mit klaren Grenzen. Gerade deshalb weiß ich, was sie leisten kann und was nicht. Auf dieser Seite erkläre ich, warum KI keinen erfahrenen Verteidiger ersetzt und wie sie in der Verteidigung trotzdem einen echten Nutzen für Sie hat.

Warum KI keinen erfahrenen

Strafverteidiger ersetzt

Eine KI kennt Gesetze und allgemeine Rechtsprechung. Sie kennt aber weder Ihren Fall noch Ihre Akte noch die Menschen, die über Sie entscheiden.

Die KI kennt die Ermittlungsakte nicht.

Was Polizei und Staatsanwaltschaft wissen, steht in der Ermittlungsakte. Ein Verteidiger hat ein umfassendes Recht auf Akteneinsicht, Beschuldigte ohne Verteidiger erhalten nur eingeschränkt Einblick. Ohne Aktenkenntnis beruht jede Einschätzung auf Vermutungen.

Der KI fehlt die Fachliteratur.

Allgemeine KI-Programme stützen sich im Wesentlichen auf frei zugängliche Quellen. Ein großer Teil der Rechtsprechung sowie die maßgeblichen Kommentare und Handbücher zum Strafrecht stehen aber nur in kostenpflichtigen Fachdatenbanken. Mit diesen Quellen arbeite ich täglich, eine KI kennt davon bestenfalls Ausschnitte.

Verteidigung ist Taktik und Erfahrung.

Schweigen oder aussagen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch über eine Einstellung des Verfahrens? Wie reagiert ein bestimmtes Gericht auf welche Argumente? Solche Entscheidungen beruhen auf Erfahrung aus vielen Verfahren, nicht auf allgemeinem Wissen.

Die Hauptverhandlung findet live statt.

Ein Zeuge sagt plötzlich etwas Neues, das Gericht stellt eine unerwartete Frage. Dann muss Ihr Verteidiger in Sekunden reagieren, Anträge stellen und die Strategie anpassen.

Eine KI kann überzeugend falsch liegen.

Sie formuliert sicher, auch wenn sie irrt. Sie erfindet mitunter Urteile oder Paragrafen, die es nicht gibt, und neigt dazu, dem Fragenden recht zu geben.

Eine KI trägt keine Verantwortung.

Ihr Verteidiger ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, steht für seine Arbeit ein und ist allein Ihren Interessen verpflichtet. Ein Programm ist das nicht.

Gespräche führt ein Mensch.

Viele Verfahren werden durch Gespräche mit Staatsanwaltschaft und Gericht entschieden, nicht durch Schriftsätze. So kann Ihr Verteidiger eine mögliche Einstellung des Verfahrens häufig in einem Telefonat oder persönlichen Gespräch mit der Staatsanwaltschaft vorbereiten. Dafür braucht es Verhandlungsgeschick, Erfahrung und Glaubwürdigkeit. Eine KI kann solche Gespräche nicht führen.

Das Risiko, sich selbst

mit KI zu verteidigen

Wer sich im Strafverfahren allein auf KI verlässt, riskiert Fehler, die sich später oft nicht mehr korrigieren lassen.

Vorschnelle Aussagen.

Eine KI formuliert Ihnen bereitwillig eine Stellungnahme für die Polizei. Ohne Kenntnis der Akte kann aber schon ein einziger Satz belasten. Was einmal gesagt ist, bleibt in der Akte. Als Beschuldigter haben Sie das Recht zu schweigen, und meist ist das zunächst der richtige Weg.

Ihre Chats sind nicht geschützt.

Die Kommunikation mit Ihrem Verteidiger steht unter besonderem gesetzlichem Schutz. Was Sie in ein KI-Programm eingeben, genießt diesen Schutz nicht. Solche Verläufe können auf Ihrem Handy oder Computer gespeichert sein und bei einer Durchsuchung gefunden werden.

Falsches oder veraltetes Recht.

KI-Programme vermischen oft deutsches mit ausländischem Recht oder kennen aktuelle Gesetzesänderungen nicht. Ein Beispiel ist das Cannabisrecht, das sich 2024 grundlegend geändert hat.

Versäumte Fristen.

Gegen einen Strafbefehl haben Sie nur zwei Wochen Zeit für den Einspruch, für Berufung oder Revision gegen ein Urteil nur eine Woche. Eine falsche Auskunft zur Frist kann dazu führen, dass eine Entscheidung rechtskräftig wird.

Trügerische Sicherheit.

Wer sich gut informiert fühlt, holt sich oft zu spät Hilfe. Gerade im Ermittlungsverfahren lassen sich aber die meisten Weichen stellen.

Ein Beispiel aus der Praxis:

der Vorwurf der Unfallflucht.

Sie erhalten ein Schreiben der Polizei, weil Ihnen eine Unfallflucht vorgeworfen wird. Sie schildern der KI, dass Sie vom Unfall nichts bemerkt haben. Die KI rät Ihnen häufig, genau das der Polizei mitzuteilen.

Die Verteidigung beginnt aber schon einen Schritt früher: bei der Frage, wer überhaupt gefahren ist. Als Halter eines Fahrzeugs sind Sie nicht automatisch der Fahrer, und das muss Ihnen erst nachgewiesen werden. Wer erklärt, er habe als Fahrer nichts bemerkt, räumt damit ein, gefahren zu sein. Die erste Verteidigungsmöglichkeit ist dann bereits vergeben.

Sie haben sich vorab mit einer KI informiert? Das ist kein Problem. Bringen Sie Ihre Fragen gern mit in unser Gespräch. Geben Sie aber nichts gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft ab, bevor ein Verteidiger Ihre Lage geprüft hat.

Wie ich KI in der Verteidigung einsetze und

warum Sie davon profitieren

In meiner Kanzlei übernimmt KI vor allem zeitaufwendige Sortier- und Vorarbeit. So bleibt mehr Zeit für das, was zählt: Ihre Verteidigung und das Gespräch mit Ihnen.

Strafverfahren werden immer umfangreicher. Wo früher ein Aktenordner lag, sind es heute oft Tausende Seiten, dazu ausgewertete Handys, Chatverläufe und Überwachungsprotokolle. Auch die Ermittlungsbehörden werten digitale Beweismittel zunehmend softwaregestützt aus. Eine wirksame Verteidigung muss hier mithalten können.

Entlastende Details stehen selten auf der ersten Seite. Oft verstecken sie sich in einer Nebenbemerkung, einem Zeitstempel oder einer Nachricht, die die Polizei für unwichtig hielt. Dabei kann KI helfen:

Umfangreiche Akten ordnen.

Nach der Akteneinsicht entstehen Chronologien, Personenübersichten und Zusammenfassungen schneller. So habe ich früh ein klares Bild des Verfahrens.

Widersprüche aufdecken.

Aussagen derselben Person zu verschiedenen Zeitpunkten oder Aussagen mehrerer Zeugen lassen sich systematisch vergleichen. Abweichungen bei Zeiten, Orten und Abläufen fallen so leichter auf.

Digitale Beweismittel auswerten.

Chats, E-Mails oder Überwachungsprotokolle umfassen oft Zehntausende Einträge. KI hilft, sie nach Personen, Zeiträumen und Themen zu sortieren und gezielt nach entlastenden Inhalten zu durchsuchen.

Die Gegenseite durchdenken.

Mit KI lässt sich die Argumentation der Anklage gezielt hinterfragen. Welche anderen Erklärungen passen ebenso zur Beweislage? Wo hat die Indizienkette Lücken?

Die Hauptverhandlung vorbereiten.

Fragen an Zeugen und Sachverständige lassen sich gründlicher und strukturierter vorbereiten.

Verständlich informieren.

Wer beschuldigt wird, hat viele Fragen. KI hilft mir, Abläufe und Begriffe des Strafverfahrens verständlich aufzubereiten, damit Sie jederzeit wissen, wo Ihr Verfahren steht.

Klare Grenzen:

Prüfung, Verantwortung, Vertraulichkeit

KI ist in meiner Kanzlei ein Hilfsmittel. Die Verteidigung bleibt Handarbeit.

Alles wird geprüft.

Jedes Ergebnis kontrolliere ich selbst. Jede rechtliche Aussage gleiche ich mit Gesetz, Rechtsprechung und Fachliteratur aus professionellen Datenbanken ab, bevor sie in einen Schriftsatz gelangt.

Ich entscheide.

Strategie, Einschätzung und Verantwortung liegen vollständig bei mir. Das persönliche Gespräch mit Ihnen ersetzt keine Software.

Ihre Daten bleiben vertraulich.

Die anwaltliche Schweigepflicht gilt ohne Einschränkung, auch beim Einsatz technischer Hilfsmittel. Ich nutze eine Lösung, die Namen und persönliche Angaben vor der Verarbeitung anonymisiert. Ihre personenbezogenen Daten gelangen so nicht zu den großen KI-Anbietern. Der Einsatz erfolgt im Einklang mit dem anwaltlichen Berufsrecht und der Datenschutz-Grundverordnung. Wie meine gesamte anwaltliche Tätigkeit unterliegt er der Aufsicht der Rechtsanwaltskammer.

Erfahrung zuerst,

Technik als Unterstützung

Künstliche Intelligenz kann eine Verteidigung gründlicher und effizienter machen. Sie ersetzt aber nicht den Verteidiger, der Ihre Akte kennt, die Beteiligten einschätzen kann und für Sie einsteht.

Wenn gegen Sie ermittelt wird oder Sie eine Vorladung erhalten haben, sollten Sie früh handeln. Je eher ein Verteidiger eingebunden ist, desto mehr Möglichkeiten bestehen, das Verfahren zu beeinflussen. Nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf, telefonisch oder per E-Mail. Ich bin für Sie in Münster und Düsseldorf erreichbar.

Warum sich eine gute Strafverteidigung lohnt

Eine fundierte Strafverteidigung ist oft günstiger als die Folgen einer schlechten oder gar keiner Verteidigung, gerade bei drohenden Vorstrafen, hohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen. Als Fachanwalt für Strafrecht entwickle ich mit Ihnen eine Strategie, die zu Ihrer Situation und Ihren finanziellen Möglichkeiten passt. Sprechen Sie mich an, bevor Sie sich gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft äußern. Bringen Sie gern Ihre Fragen aus der KI-Recherche mit.